Karl und Karla
Karla verließ das Gebäude gegen 13.30 Uhr. Karl folgte ihr. Draußen fuhren drei schwarze Limousinen langsam vorbei. Bei der Letzteren öffnete sich das hintere Wagenfenster, ein schlanker Lauf schob sich hinaus, es knallte kurz und kaum vernehmbar, Karla sackte zusammen. “Dahinter steckt bestimmt wieder der Springer-Verlag!” rief Karl aus und kniete sich neben sie. Schnell waren die Fotographen aus aller Welt da und fotographierten. Karl und Karla verdienten ein Vermögen mit der ganzen Sache.
Am Wochende fuhren Karl und Karla immer aufs Land zu ihrer Großmutter. Eigentlich müsste sie Kleinmutter heißen, denn sie war sehr klein. Aber nur von der Körpergröße her, ansonsten war sie weder kleinlich noch kleinlaut.
Tick, Tick und Track, die drei Neffen von Donald Duck, Erzfeind von Gustav Gans, waren auch zugegen. Sie schliefen in der Gästekammer unter dem Dach. Zum Willkommen kochte der Knecht ein Gulasch für alle. “Na, was gibts denn Neues aus der großen Stadt?” fragte die Großmutter. Sie wollte immer alles wissen, was so geschah, hörte dann aber kaum zu, da sie selber so viel zu erzählen hatte. ” Ach, begann Karl, “Karla ist neulich erschossen worden, auf offener Straße. Es steckt wohl entweder der Springer-Verlag dahinter oder die Hexe Gundel Gaukeley.”"Aha.” sagte das Mütterchen und goß allen die dritte Tasse Filterkaffee ein (Karl hatte schon nach der ersten Schweißausbrüche und unregelmäßigen Herzschlag registriert) und legte jedem ungefragt Bienenstich nach.
Abends kam der Nachbar Claus Behrenthal zum Tee. Er unterrichtete Mathe, Physik und Sexualkunde an der örtlichen Grundschule, so erzählte er zumindest immer. Am nächsten Morgen begleitete Karla ihn zum Unterricht. Sie überlegte, auf Lehramt Handarbeit und Latein zu studieren und wollte sich einmal eine Unterrichtsstunde bei Herrn Behrenthal anschauen. Doch Herr Behrenthal fuhr anstatt zur Schule in einen einsamen Waldweg. Sie schlugen sich etwa drei Stunden durch das Dickicht, bis sie auf eine große Lichtung kamen. Die Tiere des Waldes waren dort versammelt, sie warteten bereits neugierig auf ihren Lehrer. Herr Behrenthal unterrichtete sie zunächst im Tannenzäpfchenzählen und in Sexualkunde, dann plötzlich rief er: “Wollt ihr den totalen Irrtum?” Die Tiere krächzten und röhrten, fiepsten, bellten und maunzten freudig ihre Zustimmung. Karla war recht beeindruckt. Sie glaubte, ihren Traumberuf nun endlich gefunden zu haben. “Danke!” sagte sie am Ende des Unterrichts zu Herrn Behrenthal und warf sich ihm um den Hals. “Gemach, Gemach.” sagte dieser. “Ich habe halt einfach die richtigen Schüler für mich gefunden. Doch dieses ist ein langer und beschwerlicher Weg.” “Bitte zeigen sie es mir!” sagte Karla ungeduldig. “Okay.” sagte Herr Behrenthal. Sie gingen zu seinem Wagen zurück.


Donnerstag, 25. September 2008 22:01
Hej, hej, Olaf, musste gut lachen, vor allem bei der Lichtungs-Szene… Warste da gerade von Satsang behaucht? Tannenzäpfle ist auch ein Bierflasch 33 cl von süddeutscher Brauerei Rothaus…
Mittwoch, 29. Oktober 2008 0:34
Well said.