Baumkuchen, Karpfen, Bosporus

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Draußen war es bereits dunkel geworden. Ich brach mir noch etwas vom Baumkuchen ab, naschte im Vorbeigehen vom Karpfen und schenkte mir Glühwein nach. Versonnen ging ich zum niedrigen kleinen Butzenfenster, bückte mich ein wenig und blickte zufrieden aus der Kate in den dunklen Hof, zu dem beleuchteten Tannenbaum. Die Ungewissheit blieb, allein, man musste ihr ja nicht alles kampflos überlassen oder ihr gar huldigen. Eine elektrische Kerze war kaputt, ich würde sie morgen auswechseln.

Ich war oft bei Dir und hielt Dir die Hand, trunken von Deiner Anmut wanderte ich des Nachts zu meinem Hause und sank unendlich leicht in meine Kissen nieder.

Ein kleines Mädchen, welches mit einem Tannenwedel ein U-Bahngebäude entlangwischt.

Ein Mann in der Bahn, Korkenzieherlocken, eine große Hornbrille, ein kariertes, beigefarbenes Jacket, ein grauer Pulli, weißer Polohemdkragen. Beige Cordhose, ein Siegelring mit einem in Gold eingefassten Bernstein. Ein Literat aus Würzburg oder ein Angestellter aus Freiburg. Er könnte 1996 ein Buch verlegt haben mit dem Titel: “Oben auf der Feste traf ich sie im Frühherbstnebel.” Er las interessiert in einer Morgenpost und hatte ein grundsätzlich gutmütiges Gesicht.

Ich ließ mir einen Döner rasieren.

Ich lief gegen Schilder und Türen. Ein Kind schaut seine Mutter an mit einem Blick, der sagen könnte: Wir sind bereits entzweit.

An meinen Händen heute ein mir völlig unbekannter Duft.

Mein Papagei saß müde auf der Stange und schnurrte. Ich schaltete den Fernseher ein, um die tagesthemen zu schauen. Das Schiff schaukelte sanft. Der Nachrichtensprecher berichtete von einem bombardierten Kernkraftwerk.

“Das hat mir so die Laune verdorben.”

Ich balancierte auf den hinteren Beinen meines Schreibtischstuhls, blickte aus den Fenstern über den Bosporus, kaute an meiner Zigarre und summte kaum vernehmbar ein fröhliches Medley vor mich hin. Dann ließ ich das Zimmermädchen kommen.

Kaufst Du Dir auch eine Fahrkarte, Du bleibst doch Schwarzfahrer und blinder Passagier.

Jeder Tag mit Gott ist ein Festtag.

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Autor: nordstrand
Datum: Mittwoch, 19. November 2008 12:58
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3 Kommentare

  1. 1

    :-)

  2. 2

    “ich liess mir einen döner rasieren”. ich freu mich.
    wann gibts denn das nordstrand-heft?

  3. 3

    schön g*

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